In meiner Familie ist es üblich zu geben. Zum sinnbildlichen „letzten Hemd“ fällt mir folgende Geschichte ein.
Meine Tante besuchte uns und machte meiner Mutter ein Kompliment für deren schöne Bluse. Auf der Stelle zog meine Mutter das neue Teil aus und schenkte es ihr. So erbte auch ich das Gen des Gebens und verschenkte schon als Kind meine Lieblings- (!) Spielsachen.
Ich glaube, Leute, die immer nur geben, sind davon überzeugt, immer das Richtige zu tun und es fällt ihnen schwer, etwas anzunehmen.
Als ich mit meinem Mann in Indien war, verstand ich erst wie wichtig das Nehmens ist. Als wir eine Einladung ausschlugen, weil wir grade gegessen hatten, sagte Cital, die Mutter unsere Gastfamilie „ich möchte Euch gern etwas geben, bitte gebt mir eine Gelegenheit.“ Augenblicklich verstand ich, dass ich oft erwartete, helfen, schenken und einladen zu können und anderen Menschen diese Freude verwährte.
Ich lernte, dass zum Einen auch das Andere gehört. Heute nehm ich auch mal ein Stück Kuchen an, obwohl ich grad auf Diät bin. Einfach der Freude wegen. Über die Zeit wurde mir klar, dass ich lange zu geizig war, auch mal eine Freundin um Hilfe zu bitten. Geizig deshalb, weil es schön ist zu geben und man nicht genug davon kriegen kann. Ich beobachte, dass Menschen, die immer nur „dienen“ insgeheim glauben, sie ver-dienen damit irgendetwas. Sie werden immer wieder enttäuscht, weil ihre Mitmenschen sich daran gewöhnt haben, dass die Gebenden eben nur geben und ohnehin keine Hilfe oder Anderes annehmen.
Die Yogis sagen, in einer Sache steckt immer auch die Energie des Gegenteils drin.
Liebe Su
Geben ist seeliger denn nehmen, und daraus wurde dann der Geiz des Gebens.
Deine Ausführungen finde ich wirklich wichtig. Ich begegnete in meinen Kursen immer wieder Menschen, die sich als immer Gebende sahen, und nicht realisierten:
ohne den Nehmenden funktioniert das nicht. Der Nehmende SCHENKT dem Gebenden die Chance, zum Gebenden werden zu dürfen.
Und immer wieder ist es eine Frage des Gleichgewichts.
danke su für die worte. werde es mir wieder zu herzen nehmen!
Das ist eine kluge Beobachtung und implizit ein guter Rat, vielen Dank!
lieben Dank für Eure Unterstützung. Solche anzunehmen ist auch schön 😉 ich geniess es.
Pervertierung von Altruismus ist im Kern egoistisch. Analog dazu kann man sagen, dass Pervertierung von Enthusiasmus hin zu Leidenschaft, Passion, diesem gruusig-religiös gefärbten Begriff, im Kern entmutigend statt inspirierend ist. Sauberer Post, danke für’s Geben 🙂