Archiv der Kategorie: Alltagsphilosophisches

Philosophie klebt am Nachdenken. Hier gehts um Alltag, das Leben meist aus Yoga-Sicht.

Wenn Kommunikation weh tut

Wikileaks hier, Wikileaks da. Alle sind entsetzt. Der Chef auf der Flucht. Warum eigentlich?

Für mich unterliegt die Kommunikation schon immer einiger Grundsätze. Aber mit dem Internet werden sie sichtbar(er). Viele Leute glauben, Kommunikation hat einen Lebenszyklus. Ein Anfang und ein Ende. Erst ist die Handlung, eine Aussage, ein neues Produkt. Im Entwicklungsprozess kommunizieren einige ausgesuchte Leute darüber. Später, wenn alles fertig ist, werden ein paar Texte und Reden verfasst, „die Kommunikation geht los“. Das ist eine Illusion und intuitiv wissen wir das auch. Mag sein, dass meine Überlegungen von der Yogaphilosophie getränkt sind. Aber ich glaube fest daran, dass die Kommunikation nie einen Anfang und ein Ende hat. Sie ist fortwährend, sogar wenn niemand etwas sagt oder jemand keine Körpersprache benutzt.

So ist es für mich unverständlich, dass Botschafter, Politiker oder sagen wir einfach mal, ein Mensch, etwas (hinter verschlossenen Türen) sagt und später den bestraft, der dies ausgeplaudert hat. Die Kommunikation findet in dem Moment statt, wo der Mensch das Gesagte auch nur denkt. Gedanken sind Energie, ok bleiben wir bei Gedanken sind Information. Alle, die sich mit der Anatomie des Gehirns auseinandersetzen, werden sogar mit dem Begriff Energie leben können.

Nun stellt sich mir die Frage, warum fangen wir nicht an, Menschen in wichtige Ämter zu senden, die in der Lage sind, ihre Worte oder gar ihre Gedanken in einen höheren Dienst zu stellen. In den Dienst an der Gesellschaft und zwar in ehrenhafter Weise. Ist das nicht der Auftrag? Natürlich hat jeder Fehler, aber wir sollten an genau diesen arbeiten, uns verbessern, statt andere zu verurteilen, die unsere Fehler public machen.

Ganesha ist Sohn Sivas, er gilt als Beseitiger von Hindernissen und ist sehr beliebt
Ganesha, Sohn Sivas, gilt als Beseitiger von Hindernissen

Erreichen wir das Verständnis, was Kommunikation ist, dass sie quasi immer stattfindet, auch wenn wir nicht sprechen, werden wir auch mit der neuen Öffentlichkeit des Internets umgehen können. Denn wir beginnen den Prozess viel früher und erkennen, dass bereits der Gedanke korrigiert werden kann. Dazu aber müssen wir überhaupt menschlich agieren wollen.

Noch vor 10 Jahren, waren es interne E-Mails, die auf Umwegen in Redaktionen landen, und heute sind es eben Plattformen. Es ist keine Frage der Verantwortung von demjenigen, der etwas ausplaudert. Für mich geht es darum:

Arbeite an Dir (mir) selbst und achte auf Deine (meine) Gedanken, die zu Worten werden, egal ob jemand zuhört oder nicht. Arbeite an Deiner (meiner) Menschlichkeit, Würde und Respekt. Dann muss ich auch niemanden verurteilen, der Worte von mir laut(er) oder öffentlich ausspricht.

Es wird uns nicht gelingen, andere zu ändern, aber wir haben auch an uns genug zu tun 😉

Menschen, die nicht ins Schema passen

Jetzt hat mich der Leumund inspiriert, einen älteren Text hervorzu kramen. Im Impuls von Leumund „Die Feminisierung der Männer“ entdecke ich einen neuen Aspekt, zu dem was ich im April 2009 getextet hab (auf meinem alten inzwischen verschimmelten Yoga-Blog) Dort ging es mir um die Kids in einer ADHS Welt und ob es nicht auch andere Wege gibt, den Energieüberschuss abzubauen.

Ich lerne also heute, dass mehrheitlich Jungs und Männer von ADHS betroffen sind und vermute, das diese Menschen aus dem Raster unserer Gesellschaft kippen. Heutzutage müssen wir alle hübsch in ein Schema passen und alle Kompetenzen (möglichst typische männliche und weibliche) gleich gut beherrschen. Stellenausschreibungen fordern: praktische Erfahrung, Sach- und emotionale Intelligenz, einige aktuelle Diplome und bitte nicht über 40. Ach ja, Gesundheit setzen wir voraus. Dieses Wunschbild erinnert mich an die mit Photoshop noch dünner gezogenen Models, die uns Frauen glauben machen, wir müssten wie ein dürrer Zweig durch die Landschaft staksen, um glücklich zu sein.

Zappelphilipp unerwünscht
Zappelphilipp unerwünscht (Bild: www.cortesi.ch)

Aber zurück zum ADHS Syndrom. Wenn es tatsächlich so ist, dass das Medikament die betroffenen Menschen einfach nur ruhig stellt um sie gleichzuschalten, dann macht mich das sehr traurig und lässt mich an unserer Toleranz zweifeln.

Hoffentlich finden diejenigen, die auffallend anders sind, ihren individuellen Weg, um Menschen um sich zu haben, die täglich an sich und ihrer Einstellung arbeiten, statt „die Anderen“ zurecht biegen zu wollen.

Denn dann dreht sich der Mensch im Kreis und wird immer wieder enttäuscht. („Erwartung und ihre Schwester, die Enttäuschung“ ist ein anderer alter Beitrag dazu.)

Danke lieber Leumund für Deinen Nachdenkpost.

gut getrimmt ist halb gewonnen, eben nur halb

„Ach die arme Lara, sie hat Angst vor der Mathe-Arbeit. Sie ist soo gut in der Schule, alles fällt ihr leicht. Sie ist Klassenbeste, nur in Mathe hat sie Probleme.“ „Naja“ antworte ich der besorgten Grossmutter „Vielleicht ist es für Lara ja wertvoll, auch mal nicht an der Spitze zu stehen“. Der Dialog ging recht schnell und flach zu Ende. Doch mich beschäftigt das Thema Wettbewerb schon länger. Früher liebte ich es, im Sport die Schnellste zu sein. Wie stolz war ich auf den 100 Meter Sieg und niedergeschlagen, wenn ich bei 800 Metern versagte. Lief es in der Schule gut, berichtete ich sofort von der guten Note, war es nur eine 3, behielt ichs für mich.

man kann nicht immer nur gewinnen
man kann nicht immer nur gewinnen
Heute finde ich, dass wir unseren Kindern auch lehren dürften, mal in der zweiten Reihe zu stehen. Denn das ist das normale Leben, wir werden mal auf dem Treppchen stehen und auch ordentlich verlieren. Verlierer, Loser, arbeitslos, krank. Das sind Zustände, mit denen wir lieber nichts zu tun haben wollen. Denn wir wurden früh auf Erfolg getrimmt. Stellt sich der nicht ein, dann musst Du eben pauken. Ja Lernen ist schön. Rationales Wissen, wie eben Mathe hilft dem Mensch, dem sonst eher emotionales Wissen liegt. Er gleicht damit die weibliche und männliche Energie aus (die beiden Energien, die jeder in sich hat) und harmonisiert beide Gehirnhälften. Das ist auch eines der Ziele, ach nein, Zwischenergebnisse, des Yoga.

Der Yogaübende behält auch sein Ego im Visier. Der Ichmacher (Ahamkara) ist einer der vier Teile des Denkinstrumentes. Dieser Teil produziert das Ego und nährt es. Gut ist, wenn das Ego nicht immerzu die Oberhand gewinnt. Das Ego neigt zur Identifikation. Diese lenkt den Mensch vom eigentlichen Wesen (dem wahren Selbst) ab. Also heisst es, beobachte Deine Gedanken und erkenne, wie das Ego versucht, Dich anzutreiben. Lieber Leser, verzeih mir den kleinen Abstecher.

Dort wo das Ego regiert, findet der Wettbewerb statt. Das Ego will immer der Gewinner sein. Das kann auch bedeuten, dass schon mal emotionale Intelligenz zu kurz kommt. Rücksicht stört gelegentlich beim Gewinnen.

Unser Leben beinhaltet aber Verlieren und Gewinnen, nenn die Energien wie Du willst: männlich/weiblich, schwarz/weiss, positiv/negativ Sieg/Niederlage. Diese beiden Gegensätze reiben aneinader und Neues oder gar Leben kann entstehen. Würde immer nur weiss vorherrschen, gäbe es keine Weiterentwicklung. Deshalb müssen wir auch mal durch ein Tal, und eben vielleicht auch in Mathe das Versagen üben.

Denn später im Leben, werden diese Aufgaben gestellt. Gut, wer dann gelernt hat, auch mal anderen zum Sieg zu gratulieren und aus dem eigenen Tal neue Kraft zu schöpfen. Das wäre für mich ein wahrer Gewinn. Gelassen Raum geben, für alles, was das Leben bietet.

Man kann nicht immer gewinnen und das finde ich gut.

Gedankenlos glücklich oder der Gedankenbaum

„Wie gedankenlos von mir“ sag ich, wenn ich jemanden oder dessen Höflichkeit übersehen hab. Das stimmt aber nicht. In unserer Sprache ist diese Entschuldigung (wohl aus Unwissenheit vom menschlichen Denken) schlicht falsch. Ich seh mir die Situation Gedankenlosigkeit einmal näher an:

Das hohe Ziel des Yoga ist Samadhi. Samadhi bedeutet soviel wie Glückseligkeit. Ein Zustand in dem alles eins ist und besonders das eigene Wesen mit der grossen Quelle verbunden ist. Trennende Gedanken gibt es in diesem meditativen Highligth nicht. Das können wir nur erreichen, wenn wir die Sinne zurück ziehen und Konzentration erlernen. Können wir uns wahrhaft konzentrieren, sind wir mit unserem Denkinstrument in der Lage die sogenannte Einpünktigkeit zu praktizieren. Das ist der totale Fokus auf nur eine einzige Sache. Bin ich einpünktig, dann verbinde ich mich gerade mit dem Objekt oder Thema. Allerdings wird dieses im Geist auch nicht weiter wachsen.

Weiter wachsen?

Unsere Gedanken entspringen alle aus den sogenannten Vrittis, Gedankenwellen (oder auch Wurzel, Quelle, Ursprung) Oft geben auch die Sinne eine solche Wurzel. Dann erdenken wir diese zu einem riesigen Gedankenbaum mit unglaublich vielen Verzweigungen. Wir packen Erlebnisse dazu, Vorstellungen, Ideen usw. Kennst Du das?

Baum als Symbol für unsere Gedankenaktivität
Baum als Symbol für unsere Gedankenaktivität

Im Yoga lernen die Menschen, die Wurzel zu erkennen und sie auch mal nicht wachsen zu lassen. Wir praktizieren also jetzt Einpünktigkeit. Erst dann ist es möglich Gedankenlosigkeit zu erreichen. Dies ist zum wirklichen Meditieren nötig. Gib den üblichen Lärm im Kopf, die Gedankenbäume mal ab und tauche in die gedankliche Stille. Das ist reine Gedankenlosigkeit. Mit ein bisschen Glück kannst den goldenen Zustand Samadhi erfahren. Das ist es, was Yogis ein Leben lang üben.

Zurück zur oben beschriebenen Situation. Ich übersehe jemanden, und grüsse vielleicht nicht. Das entsteht wenn man in Gedanken versunken ist. Also das Gegenteil von gedankenlos. Ich hänge den Gedanken hinterher und sie können sich ungehindert in meinem Geist breit machen, der Baum wächst. Vielleicht befinde ich mich aber auch in höchster Konzentration, wo ich nur die Essenz erdenke (vielleicht mit dem Baumstamm vergleichbar). Aber auch in diesem Denk-Zustand kann ich äussere Dinge nicht wahrnehmen.

Leider wird dieses Wissen in unserer Kultur nicht gelehrt. Wieviel einfacher hätten es wohl unsere Kinder und wir selbst, wenn wir die Abläufe unseres Denkens kennen und effektiv nutzen würden? Wir könnten Denken als Instrument benutzen und nicht andersrum und eben auch mal damit aufhören. Wären nicht so oft unserem Durcheinander-Denken erlegen.

Wir könnten Kraft schöpfen beim gedankenlos glücklich sein.

unverbissen vegetarisch

… was für eine schöne Einstellung. Ich hab vor ein paar Minuten Claudias (eine meiner Like-Bloggerinnen) neuen Blog unverbissen-vegetarisch.de entdeckt. Was mir besonders gefällt, die Toleranz, mit der sie ans Werk geht. Sie möchte nicht missionieren, sondern berichten über „eingefleischte Gewohnheiten“ und wie sie sie ersetzt.

Essen ohne Fleisch
Früchte als eine der vielen Alternativen zu Fleisch
Meine eigene Esserei hat mir schon oft Diskussionen eingehandelt. „Waaas, Duuu trinkst Cola?“ Erschrocken suchte ich mich dann zu erklären, „ja, auch ich genehmige mir mal was Ungesundes, denn ich nehme am Leben teil“. Leider oder Gottseidank, je nach Tagesform, lebe ich ja nicht in einem Ashram. Dort ist es selbstverständlich, dass ich keinen Kaffee trinke, keine Cola, Fleisch und sonstige Nahrungsdrogen zu mir nehme. (ein Buchtipp am Rande: Sabrina Fox Erleuchtung, Sex & Coca Cola) Aber draussen im Leben, dort ist der Lehrer, jeden Tag.

Dies ist nicht nur die Herausforderung beim vegetarischen Leben. Es geht mir vielmehr ums Bewusstsein, das damit einhergeht. Was esse ich, wie gewinne ich meine Energie. Und nein, ich esse nicht nur Beilagen. Im Gegenteil seit ich vegetarisch lebe, ist mein Tisch reicher denn je gedeckt. Gewürze für indisches Essen

Eine eindrückliche Erfahrung will ich Euch nicht vorenthalten: Als ich letztes Jahr für einige Monate wieder gelegentlich Fleisch gegessen hab, bemerkte ich, dass meine Sprache grober wurde. Ich fluchte, schimpfte und verurteilte mehr, wenn auch nur in Gedanken. Nicht, dass die Yogis das nicht längst wüssten, aber „der Beweis“ hat mich dann doch gefesselt.

Ich lege Euch also den neuen Blog unverbissen-vegetarisch ans Herz und wünsche Euch Lesern und Dir, liebe Claudia, viel Freude damit.

Respekt ist eine Haltung und kein Verhalten

Ich hatte mal einen Kollegen, der im Spass immer seine Kollegen fragte „Wie heisst Du gleich?“ Ich fand diesen Witz nie wirklich witzig. Nun, unglücklicherweise war er unser Chef und ich gab stets ein braves aber ungemütliches Lächeln ab. Lange Zeit wusste ich nicht, warum mich der ganz sicher nicht bös‘ gemeinte Satz innerlich köcheln liess.

Letzten Samstag hörte ich im SWR 1 (ja ich werde älter und bevorzuge die 1 Sender mittlerweile 😉 eine Sendung bei der es um Respekt ging. Ein Hamburger Unternehmen namens Respect Research untersuchte gemeinsam mit der Uni Hamburg welche Faktoren für Arbeitnehmer wichtig sind. Die Ergebnisse erstaunten nicht nur mich als Radiohörer sondern offenbar auch die Leute, die an der Studie arbeiteten. Sie fanden einige Punkte heraus:

– Arbeitnehmer wünschen sich und schätzen am meisten Respekt (dies noch vor Lohn, Anerkennung)
– Arbeitnehmer merken, wenn Chefs nach einem Kurs künstlich respektvollen Umgang üben
– Arbeitnehmer empfinden dies als unehrlich und es kommt nicht gut an
– Respekt äussert sich z.B. darin, dass die Führungscrew Mitarbeiter in wichtige Entscheidungen einbezieht
– Arbeitnehmer identifizieren sich mehr mit dem Job und bringen sich mehr ein, wenn respektvoller Umgang gepflegt wird

Respekt ist eine Haltung und kein Verhalten, sagte Tilman Eckloff von der Uni Hamburg und Respect Research Group im Radio.

Jetzt ersetze ich mal Arbeitnehmer mit Mensch und bemerke, dass Hierachien beim Respekt keine Rolle spielen. Respekt entsteht im Herzen. Im Gegensatz zu Anerkennung muss man ihn nicht erst verdienen. Respekt kann man nicht einfordern sondern nur selbst empfinden und im Denken und Handeln fest verankern. Für mich ist es nicht Anstand, Training oder Sprachgebrauch sondern eine Überzeugung. Und ich weiss heute, warum ich damals vergeblich nach Wertschätzung suchte. Wenn Menschen die Grundlage Respekt nicht leben, werden sie darauf kaum Liebe, Anerkennung, Wertschätzung UND Zufriedenheit erlernen. Ich mach also heute auch gern mal einen respektvoll grossen Bogen um Leute, die den Respekt noch üben (besonders wenn ich täglich mit ihnen zu tun hab, denn auf Dauer kann es verletzen)

Gambia

Übrigens die Rasta-Anhänger in Gambia begrüssen sich mit „Respect“. In Ländern wo mir eher fremde Religionen und Sitten herrschen, wurde ich bisher immer mit Respekt empfangen. Also versuche ich auch Menschen mit anderen Meinungen, Idealen, Herkunft und sozialer Stellung diese kleine grosse Haltung entgegenzubringen.

Die Haltung, die auch Yogaübung ist, wie auch Aufmerksamkeit.

Vom Mut zum friedlichen Essen

Ein wenig fürchte ich mich vor dem Thema, das seit längerem in mir spukt. Klar, es geht ja um Angst.
Angst, die wir Menschen verursachen und leicht vermeiden könnten. Wir haben jedoch gelernt, das Leid der Fleisch-Ess-Lust wegen in Kauf zu nehmen. Ich möchte nicht missionieren, sondern hier meine Gedanken, Fragen und auch
meine Unwissenheit teilen:

Ein Artikel im Stern (Den ich dort online leider nicht finde, aber hier) „Esst weniger Fleisch“ und in der Zeit „Lasst das“ und natürlich das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und ein Interview dazu in der FAZ machen mir Mut. Denn genau den braucht es, um etwas mehr Frieden in unser Essen zu bringen und wohl auch, darüber öffentlich zu reden und zu schreiben. Glaubt mir, ich stelle oft am Tisch fest, dass das Thema längst nicht „selbstverständlich normal“ ist und nicht ich spreche es an, aber das nur am Rande.

Das Recht des Schlaueren

Wir Menschen haben ein höheres Bewusstsein als Tiere. Dieses erlaub es uns meiner Meinung nach nicht, Tiere in Käfigen oder artfremd zu halten, um sie dann zu töten und zu verzehren. Was wäre, wenn es noch höher entwickelte, noch intelligentere Menschen gibt?

Fleisch für die Gesundheit?

„Mädchen, Du wirst krank, wenn Du kein Fleisch isst“ sagte meine Oma, und sie behielt Recht. Ich hatte die Eisenzufuhr beim erstenmal unterschätzt und mein Arzt musste dies mit einer Infussion nachholen. Blöd. Aber:
Tiere, werden transportiert und haben dabei Angst. Sie schütten kurz vor ihrem Tod Adrenalin in ihr Fleisch aus. Die Angsthormone landen direkt auf dem Teller. Wir essen sozusagen die Information Angst. Ich weiss nicht, ob wir sie deshalb immer wieder neu säen. Ich lebe in einem Land, wo Strassen-Tiertransporte verboten sind und die Qualität des Fleisches nicht der der EU entspricht. Im erwähnten Stern Artikel vergleicht der Autor sie mit einem „alten klapprigen Golf“. Gut, also geht es den Tieren hier etwas besser und oft wurden sie auf der grünen Weide statt mit Antibiotika gefüttert.

Der Umwelt zu liebe
Ich habe gelernt, das der CO2-Ausstoss der Fleischproduktion hoch ist und der Wasserverbrauch sehr unökologisch. Der WWF klärt unter anderem zum Thema auf und ruft auf, 3 x statt 9 pro Woche Fleisch zu essen.

Der böse Wolf hat auch gern Fleisch
Kennt Ihr die Geschichte vom Walliser Wolf? Dieser wurde kürzlich offiziell zum Abschuss freigegeben, weil er zuvor Rinder von der Weide riss. Ich mag nicht glauben, dass intelligente Menschen im Jahr 2010 keine andere Antwort wissen als ihn zu töten. „Ja, aber er hat Rinder gerissen“ sagte meine Freundin. „Ja, und?“ sage ich, „Das tun wir Menschen auch“ Selbstverständlich habe ich Mitgefühl mit den Bauern, deren einziges Einkommen die Kühe sind. Ich glaube, solange wir richten zwischen lebenswerten (Hunde, Katzen) und nichtlebenswerten Arten (Rinder, Wölfe) wird uns keine Toleranz gelingen. Der Kreislauf der Gewalt auch unter Menschen kann, denke ich, nur durch den radikalen Stop vom Töten durchbrochen werden. So gelingt es auch leichter, friedliche Gedanken zu kultivieren. Deshalb ist im traditionellen Yoga Ahimsa (Gewaltlosigkeit) eine der wichtigsten Bedingungen, bevor die Praxis überhaupt beginnt.

Fragen die bleiben
Warum produzieren wir so viel Fleisch, dass wir es wegwerfen bzw. weiter an Tiere verfüttern müssen?
Warum verteidigen wir den Fleischkonsum mit Argumenten aus der Steinzeit?
Warum wünschen wir uns Frieden, den wir selbst einer Lust wegen, nicht bereit sind zu geben?

Nein, es sind keine rethorischen Fragen, sondern Dinge die mich bewegen und ich wünsche mir ein wirklich höheres Bewusstsein, in dem wir erkennen, dass weniger oder kein Fleisch ein nächster Schritt unser Evolution ist. Hin zu Frieden und Gewaltlosigkeit, dazu braucht es Mut zum Hinsehen, Aussprechen und an sich selbst etwas zu ändern.

PS: vegetarisches Essen ist übrigens alles andere als langweilig, ausser man isst tatsächlich nur die Beilagen.
Aber das erkennt jeder recht schnell, der die fleischlose Kochkunst erlernt.

Achso, fast hätte ich die Party-Kuh vergessen: Ich interpretiere: Erst darf die Kuh mit feiern und dann haben wir sie zum Fressen gern. Strange.

Mit Angst für Sicherheit werben?

Post von Hanni_Netgern

Versicherungsvertreter, die fiktive Horrorgeschichten erzählten, in denen ich die Hauptrolle spielte,
hatten früher gute Chancen bei mir. Das Ergebnis: ich war hoffnungslos überversichert und bereute meist jeden neuen Abschluss. Inzwischen beschäftige ich mich mit den Tücken unseres Denkinstruments und bin nicht mehr so leicht mit Angst zu manipulieren.

Angst funktioniert, wenn man sie nährt und kann schnell die Kontrolle über unser Denken und Handeln übernehmen. Ein Teil unseres Geistes, der Intellekt ist mit erdachten Notfallplänen zur Stelle.

Was passiert, wenn die Angst Menschen beherrscht?

– es geschieht etwas, oder wir hören eine traurige oder gefährliche Geschichte
– unser Intellekt ersetzt den Hauptakteur (gedanklich) vorzugsweise mit seinem Besitzer (noch lieber, wenn er was ähnliches erlebt hat)
– der Gedanke wird fortlaufend wiederholt und verändert so seine Energie (!)
– er wird fühlbar – also in seiner neuen Form eine Art Gefühl
– Adrenalin (und weitere Botenstoffe) wird ausgeschüttet und involviert neben dem Denken auch den Körper (fühlen und unwohlsein)
– in diesem Zustand können wir uns auf nichts anderes konzentrieren, alle Aufmerksamkeit gilt Notsituation (Angst)
– ist dies einmal erlebt worden, kann es sein, dass später bei ähnlichen Situationen zuerst die Emotion (biochemische
Reaktion und erst danach die Logik einsetzt.
– in kurzfristigen Ereignissen (also mit gerechtfertigter Angst) ist der Ablauf schneller und teils umgekehrt

Nun ist es nicht mehr nur eine Aufgabe des Geistes sonders des ganzen Körpers, die Angst zu kontrollieren oder ihre Kraft zu nutzen (bei realer Gefahr) oder auch abzubauen (bei Entwarnung) Gut geht das mit bspw. Schreien, Rennen oder einem grossen Kraftaufwand. Im Yoga erlernen wir Techniken, wo man schon beim ersten Gedankenimpuls (sogenannten Vrittis – Gedankenwurzeln) identifizieren, lenken, abgeben oder auch verändern können. Natürlich gibt es unzählige Arten und Auslöser für Angstzustände oder Panikattacken. Z.B. wenn sie aus chronischer Überlastung oder Traumatas hervorgeht. Dann lohnt es sich, die Ursachen anzusehen und erst dann die Mechanismen. Auf diese kann ich hier nicht eingehen, denn jede Ausprägung ist anders und sehr persönlich. Das können Psychologen wohl besser. Beeindruckend finde ich, Kinder zum Thema Angst zu beobachten. Dabei kann man nur lernen.

Was mir heute aber wichtig ist, ist unser Umgang und die Werbung bzw. Kommunikation mit Angst.

Mit Angst für das Gegenteil werben.

Auf deutschen Strassen werben/mahnen Plakate schon seit längerem mit Unfallbildern oder Todeszeichen oder trauendernden Menschen.
Die Message ist oft auch direkt an Motorradfahrer gerichtet (im Schwarzwald, hab leider kein Foto). Rast nicht (allein das „nicht“ ist destruktiv) sonst droht dies oder jenes. Und das wird dann bildlich dargestellt.

Kind vom Poster
Bildquelle: runter-vom-gas.de

Diese Kommunikation ist nicht nur kontraproduktiv sondern finde ich schlicht falsch:

1. Als Motorradfahrer nimmt man 100%-konzentriert am Verkehrsgeschehen teil, plakative Bilder mit Botschaften (in Kurven!) lenken ab
2. Die meisten Unfälle mit beteiligten Zweiradfahrern entstehen, weil Autofahrer sie übersehen (bestimmt auch durch Kurven schneiden und den nötigen Platz für saubere Kurventechnik nehmen. Dies nur eine herzliche Bermerkung am Rande.
3. Angst erzeugt eine Reaktion im Geist und im Körper und später die Gegenmassnahme
4. Die Message (von manchen Plakaten) richtet sich nur an eine Gruppe Verkehrsteilnehmer, die Zweiräder, und legt damit im Vorfeld mögliche Schuldige fest. Alle anderen fühlen sich bestätigt und nicht aufgefordert selbst aufmerksam und rücksichtsvoll zu fahren.
5. Motivierende Aufklärung und positive Kommunikation sind erfolgsversprechender, weil ein Angegriffener
sich nicht angesprochen fühlt, der Geist blockt Vorwürfe ab.
6. Sind wir gewöhnt auf Plakaten zu etwas aufgefordert zu werden. Plakate = Werbung in unserem Unterbewusstsein.

Mich überrascht das Vorgehen von Kommunikationsprofis. Von diesen Berufsgruppen möchte ich etwas mehr Kenntnis
über das menschliche Denken erwarten dürfen. Bitte keine Interpretationen: ich finde rücksichtsloses Rasen voll daneben, mir gefällt nur die Kampagne nicht. Absolut nicht.

Es gibt auch andere Meinungen dazu, wie auf dem Blog von Angela Sauer oder ein alter Beitrag in der Welt online.

Liebe Grüsse und fahrt schön lieb.
Eure Hanni Netgern

keine Zeit, keine Zeit

… totale Hektik weit und breit,
jeder ist auf seinem Trip,
kriegt die andern gar nicht mit…

treffender wie die Teenie Band aus den 90ern kann ichs nicht sagen.

Wie oft höre ich, ich hab keine Zeit: zum Bloggen, für Sport, für Freunde, Familie, für mich.

Obwohl mich das Thema Zeit schon lange fesselt, hab ich letzte Woche etwas gelernt. Ich sass beim Abendessen mit Freunden. Wir lachten, redeten und einer der Gäste schielte immer wieder aufs Handy, um auch zu sehen, was im Internet lief. Es ist ja nur ein Tweet hier, ein Kommentar dort und doch wurde mir etwas klar. Wenn wir nicht aufmerksam sind, verschwenden wir unsere Zeit. Wir sind bei keiner Beschäftigung wirklich dabei. Unkonzentriert hetzen wir durch den Alltag. Es hätte genauso gut ich sein können. Im Meeting zum Beispiel, halb zuhören und im Laptop ein paar halbe Tasks erledigen.

keine Zeit dank fehlender Aufmerksamkeit

Bildquelle: Scratchbook.ch

Ich glaube, wir haben keine Zeit, weil wir nicht aufmerksam sind. Gegenüber der Zeit, gegenüber dem was wir gerade tun, gegenüber den Menschen am Tisch. Wir verschwenden die Zeit, als hätten wir unendlich viel davon. Haben Angst etwas zu verpassen.

Vom Yoga lerne ich, dass ich eigentlich gar keine Zeit besitze. Das Leben findet genau in diesem jetzigen Moment statt. Der Yoga lehrt, genau diesen Moment zu er-leben, sich zu fokussieren. Und zwar auf genau das, was ich gerade tue. Mit der gleichen Aufmerksamkeit sollte ich Menschen behandeln. Sonst habe ich irgendwann keine Zeit UND keine Beziehungen mehr.

Das ist Karma-Yoga, der Yoga der Handlung. Mit vollem Bewusstsein etwas Tun, um Konzentration zu erlernen. Erst dann folgt die Praxis der Meditation und der innere Frieden. Dafür kann ich ruhig mal das Internet abschalten und den informationshungrigen Geist zur Ruhe kommen lassen. om shanti, meine Lieben.

Der Meister Abt

Wenn ein Meister (des Yoga) einen Raum betritt, dann wissen es alle. Die Anwesenden spüren eine Art Frieden (im Sanskrit = Shanti). Ich sage ein Meister und meine natürlich auch Meisterin. Im Yoga nennen wir den meisterhaften Zustand Samadhi (dies ist das eigentliche Ziel des Yogapraktizierenden) . In buddhistischer Sprache heisst es Erleuchtung. Auch in christlichen Religionen kann der Mensch zu Lebzeiten einen solchen Geisteszustand erreichen. Auf solchem Weg merzt der Mensch alle Gifte seines Geistes (Geist hier gemeint: Denkinstrument) aus und entfaltet sein wirkliches Wesen (im Yoga ist Sein gemeint, im christlicher Sprache in etwa heiliger Geist). Die Gifte sind: Gier, Neid, Zorn, Hass und Eifersucht. In verschiedenen Traditionen weichen die Beschreibungen und Wege ein wenig ab.

Meine Oma sagt oft: „Ein Christ, der sich an die 10 Gebote hält, ist ebenso ein guter Mensch, wie ein Atheist, der sich moralisch und ethisch gut verhält.“

Früher empfand ich die Aussage immer als eine Art Legitimation, dass in meiner Heimat so gut wie niemand spirituell war/ist. Heute bedeutet mir die Weisheit meiner Grossmutter viel mehr. Alle, die sehr streng an ihren religiösen Vorstellungen haften und ihre eigene für die einzig richtige halten, bitte lest hier nicht weiter. Ich möchte niemanden verletzen. Jeder geht seinen Lebensweg allein und auf seine für ihn richtige Weise.

Also zurück zum Meister: Einem solchen zu begegnen kann ein wahrer Segen sein, eine Gelegenheit zum Lernen fürs Leben. Für mich spielt es keine Rolle mehr, wie er seine Religion / Philosophie benennt.

Wenn er:

– an seinen Eigenschaften arbeitet,
– geistige Gifte löscht
– seine Gedanken und Handlungen reflektiert,
– nicht ver-urteilt,
– selbst lernt statt nur lehrt,
– über sich lachen kann
– inneren Frieden hat
– sein Ego (kennt) und klein hält,
– seine Wahrheit nicht diktiert

dann beginnt die Meisterschaft.

Warum erzähl ich Euch das?
Der Abt berichtet über seine Kommunikation mit Twitter

Weil mir letzte Woche ein Meister begegnete. Ein katholischer Abt. Der twitternde Abt Martin repräsentiert für mich das, wofür es sich lohnt, am eigenen Geist zu arbeiten. Ein Mensch, der andere inspiriert, seine Güte grosszügig verteilt und ein weites tolerantes Herz hat. Der Abt berichtete übrigens in der Runde der Netzzunft über seine Kommunikation via Internet/Twitter. Herzlichen Dank Leila für die Idee, ihn einzuladen. Die Essenz war für mich jedoch eine andere. Im Web 2.0 weicht wahre Kommunikation immer mehr den Werbebotschaften. Charaktereigenschaften werden sichtbar und darum ist Abt Martin wohl auch so erfolgreich.

Ich verneige mich vor Abt Martin vom Kloster Einsiedeln und wünsche ihm und seinen Mönchen einen friedlichen erfüllten Lebensweg. Danke Gabi (aka Seglias) für Deine charmante Einladung, über die Begegnung zu schreiben, ich hätte es wahrscheinlich versäumt. Wer noch gerne ein paar Bilder mag. Roli (aka Rolik) hat fleissig geknipst.

Ach übrigens: So ein Mensch sagt nicht „ich bin ein Meister“ und ich würde es schon gar nicht einfach glauben.