Archiv der Kategorie: Alltagsphilosophisches

Philosophie klebt am Nachdenken. Hier gehts um Alltag, das Leben meist aus Yoga-Sicht.

Was haben Bikinis und Saris mit Toleranz zu tun

Heute entdecke ich in der Glamour ein Modefoto, über das ich ein wenig erschrecke.

Dann lese ich: „Für dieses Foto mussten die Möche konzentriert auf den Boden oder in die Ferne blicken.
Denn unser Model direkt anzuschauen, verbietet ihr Glauben.“ (nicht ganz richtig, aber darum gehts mir heut nicht).

Vielleicht liegt es daran, dass ich ohne Religion aufwuchs und mich mit verschiedenen Glauben beschäftigte. Ich empfinde bei dem Bild eine leichte Arroganz, ja sogar Intoleranz unserer westlichten Kultur. Und schon ist sie wieder in meinem Kopf. Die Idee für ein mögliches Burka-Verbot in der Schweiz. Eigentlich wollte ich nicht darüber zu schreiben, es gelingt mir nicht. Das Thema ist überall präsent. Luzerner Politiker bemühen sich um eine Ausnahmeregel für Touristen und eine Bekannte sagt „das ist wichtig für die Frauenbewegung in der Schweiz“. Ich suche in Zürich nach einer Burka, damit ich besser verstehe.

Doch statt Verstehen, bleiben nur Fragen:

Warum behandeln wir Touristen anders als hier ansässige Menschen?
Warum stellen wir Traditionen einer anderen Kultur in Frage?
Warum bestehen wir in fernen Ländern (wo Schleier getragen werden) auf Bikinis oder Shorts?
Warum glauben wir, immer das Richtige zu tun?

Es ist möglich, dass die Frauen manche Gewänder aus Zwang tragen. Ich weiss es nicht. Ein Sari ist sicher eine
harmlose Variante. Manche Frauen in Indien sagten mir: „Ich liebe Saris, darin kann ich mich bequem verstecken und
fühle mich stolz. Nach vier Wochen trug ich übrigens auch einen und fühlte mich wesentlich wohler, vor fremden männlichen Blicken geschützt. Und unsere Homestay-Familie war richtig stolz.“ Vielleicht auch wegen dem Respekt, den mein Sari ihrer Kultur gegenüber ausdrückte. Wieder zu Hause hatte ich noch nicht den Mut, ihn zu tragen.

übrigens sehr zu empfehlen, wer nach Karnataka reist

Wäre ich überzeugt, ein Verbot könnte die Gleichberechtigung der Frau fördern, ich würde nicht hadern. Da könnt Ihr sicher sein. Doch auch in unserer Kultur fänden wir noch genug zu tun. Im Berufsalltag hab ich auch Prüfungen zum Thema Gleichberechtigung, die ich mir gerne mit einem Verbot ersparen würde. Doch:

Der Yoga und viele Religionen lehren Respekt. So versuche ich, andere Kulturen und gesellschaftliche Strukturen, als die, in die ich geboren wurde zu respektieren. Natürlich gehören dazu auch die Sorgen der Menschen, denen die Burka fremd ist. Gelingt es mir, Anderes zu respektieren, fällt es mir leichter, tolerant zu sein. Eine schöne yogische Herzensübung, die zudem den Alltag leichter macht und vielleicht die Gleichberechtigung ein bisschen realer.

Der Geiz des Gebens

In meiner Familie ist es üblich zu geben. Zum sinnbildlichen „letzten Hemd“ fällt mir folgende Geschichte ein.
Meine Tante besuchte uns und machte meiner Mutter ein Kompliment für deren schöne Bluse. Auf der Stelle zog meine Mutter das neue Teil aus und schenkte es ihr. So erbte auch ich das Gen des Gebens und verschenkte schon als Kind meine Lieblings- (!) Spielsachen.

Ich glaube, Leute, die immer nur geben, sind davon überzeugt, immer das Richtige zu tun und es fällt ihnen schwer, etwas anzunehmen.

Als ich mit meinem Mann in Indien war, verstand ich erst wie wichtig das Nehmens ist. Als wir eine Einladung ausschlugen, weil wir grade gegessen hatten, sagte Cital, die Mutter unsere Gastfamilie „ich möchte Euch gern etwas geben, bitte gebt mir eine Gelegenheit.“ Augenblicklich verstand ich, dass ich oft erwartete, helfen, schenken und einladen zu können und anderen Menschen diese Freude verwährte.

Ich lernte, dass zum Einen auch das Andere gehört. Heute nehm ich auch mal ein Stück Kuchen an, obwohl ich grad auf Diät bin. Einfach der Freude wegen. Über die Zeit wurde mir klar, dass ich lange zu geizig war, auch mal eine Freundin um Hilfe zu bitten. Geizig deshalb, weil es schön ist zu geben und man nicht genug davon kriegen kann. Ich beobachte, dass Menschen, die immer nur „dienen“ insgeheim glauben, sie ver-dienen damit irgendetwas. Sie werden immer wieder enttäuscht, weil ihre Mitmenschen sich daran gewöhnt haben, dass die Gebenden eben nur geben und ohnehin keine Hilfe oder Anderes annehmen.

zum Geben gehört auch Nehmen

Die Yogis sagen, in einer Sache steckt immer auch die Energie des Gegenteils drin.

Burnout – Berufsunfall oder Denkblockade?

Ein Mensch bewältigt plötzlich seinen Alltag nicht mehr. Obwohl das Wort Burnout so geläufig wie „Grippe“ ist, fragen sich die Leute, wie konnte das passieren oder haben Tipps parat. Wir sehen der Person oft nicht mal an, dass etwas nicht stimmt, geschweige denn erkennen die wahre Ursache. Beiträge über Stress-Reduktion und Yoga-Ratgeber gibts genug, mir gehts heute um die geistige Grundhaltung, die uns zum Burnout begleitet.

Brennt ein Mensch aus (out burning) dann schwelen meist mehrere Denk-Faktoren. Die Ursache ist nicht der aktuelle Job, ein Ereignis oder das ständige „Zuhoch-Drehen“ selbst.

Zuhochdrehen ist Wirkung nicht Ursache

Vielmehr konnte ich starre Gedanken und fehlende Reflektion als Ursachen beobachten:

Zeitabhängiges Denken
– mangelnde Aufmerksamkeit für das Jetzt
– Hängen an der Vergangenheit (damals war es viel besser)
– Starker Fokus auf die Zukunft, Zielstrebigkeit (wenn ich das tue, dann..)
– geistige Flucht/Ablenkung statt Durchleben und Analysieren eines Leids
– unzufrieden mit der aktuellen Situation (unabhängig von der Situation selbst)

Körperliche Abläufe
– Muskelverkrampfung (Anspannung – innere Haltung die sich im Körper spiegelt)
– Adrenalinüberschuss (Stress, Schreck, Sorgen, Ängste)
– Oberflächliche Atmung
– falsche Ernährung (Zucker und Adrenalin peitschen auf )
Aktivitäten-überladung (Freizeitstress, zu viel spannende ! Aktion)
– kleine Krankheiten als Pausen-Möglichkeit ignorieren
Mangelnde Bewegung (fehlender Adrenalinabbau)

Ego und Illusion
– Identifikation miteiner Aufgabe, Job etc. (ich bin Geschäftsführer)
– verhaftet sein mit Illusionen (Titel, Besitz)
– ständiges Glücklichsein als Ziel (alle sind gesund, erfolgreich)

Denkblockaden
– starres Festhalten an Ansichten, Meinungen, statt Lernen und Korrigieren
Gedankengewohnheiten (ich bin wichtig, ich der/die Arme, habe Recht usw.)
– feste Überzeugung, dass erst !) alle Aufgaben erledigt werden müssen
– „danach ruhe ich mich aus“
– Schuldzuweisung (andere für eigene Situation verantworlich machen)
– gierig nach Erfolg, Anerkennung (sich für Un-ersetzbar halten)

Im „normalen Alltag“ können solche Strukturen eine zeitlang funktionieren. Sie verhindern aber Flexibilität für sich verändernde Umstände. Yogis üben ein Leben lang, reale Situationen als gegeben zu erkennen und anzunehmen, veränderte alte abzugeben, dazuzulernen. Es ist wichtig, immer wieder ins Hier und Jetzt als Basis allen Lebens zurück zu kehren, festgefahrene Konstrukte prüfen und auflösen. In Meditation höre ich auf zu denken, kann Abstand gewinnen, verarbeiten, loslassen, auftanken und natürlich mein Denken korrigieren.

Ein flexibler Geist ist feuerfester.

nicht gut heisst gut

oder nicht schlecht heisst schlecht. So zumindest kommt eine Aussage mit Negation (Verneinung) in unserem Hirn an. In meiner Yogalehrer-Ausbildung achtete unsere Lehrerin (Rajeshwari) immer besonders darauf, dass wir positiv formulieren beim Unterrichten, weil Praktizierende so besser verstehen. Das Hirn kann (oder will?) die Verneinung anscheinend nicht umformulieren und filtert das „nicht“ einfach aus der Information raus. Und weil ich ja nicht alles einfach so glaube, was man mir sagt, hab ich das dann mal ausprobiert. In einer schwierigen Haltung, dem Schulterstand, sollten die Übenden den Kopf gerade halten und möglichst nicht zur Seite drehen (z.B. um zum Nachbar zu schauen), weil das den Nackenwirbeln schadet.

Schulterstand

Ich sage also in einer Stunde, genau als alle in der Position stehen, „bitte drehe jetzt den Kopf nicht weil..bla bla..“ Und was glaubt Ihr, was passiert? Richtig, fast die Hälfte der Schüler dreht den Kopf, tut also genau das Gegenteil. Das liegt an der Formulierung, wie es aussieht müssen wir die erst umformulieren, um das Richtige zu tun. Beim Yoga fährt der Intellekt (Denkinstrument) herunter und wir arbeiten mehr mit dem Unterbewusstsein, drum ist wohl der Körper schneller als die Übersetzung. Besser ist „Bitte halte den Kopf in dieser Stellung gerade“. Bingo – das kommt an. In der nächsten Stunde hatte ich meine Lektion in Sachen Negation in der Kommunikation gelernt. Seither versuche ich auf diese Kleinigkeit zu achten.

Letztes Wochenende im schwäbischen Sprachraum zu Gast fiel es mir wieder auf: Die Menschen dort sagen im Dialekt „nicht schlecht“ und meinen es ist „gut“. Die Wirkung, die beim Empfänger ankommt ist aber mehr negativ als positiv. Die Leute könnten also einfach sagen: „gut“ oder „sehr gut“. Mit dieser kleine Sprachgewohnheit können wir unseren Mitmenschen ganz einfach ein bisschen Sonnenschein bringen.

Die positive Formulierung erfreut übrigens auch den Sprechenden selbst und täte auch mancher internen und externer Unternehmenskommunikation nicht schlecht, ääh gut 😉

PS: Bei natürlichen negativen Worten wie „hässlich“ ist es hingegen schon charmant, „nicht schön“ zu sagen. Das kleine Geheimnis der Verneinung zu kennen lohnt sich also als Beitrag zur positiven Kommunikation.

Gayatri Mantra mit dem Herzen

Mit dem Herzen sieht man nicht nur besser, sondern kann auch Mantras effektiv singen.

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Also bei mir kommt die Botschaft des Jungen zumindest so an. Über dieses Video bin ich grad gestolpert, als ich für eine Schülerin eine Mantra-Übersetzung googlen wollte. Hab dann beschlossen, dass ich ihr und Euch diese vorenthalte, das verschreckt westlich denkende Menschen manchmal (ging zumindest mir so 😉 Ein Mantra muss man eh nicht intellektuell erfassen.

Was ist ein Mantra überhaupt?

Ein Mantra ist eine Klangenergie (ein klingendes Pendant zum Yantra, wo es um geometrische Formen geht), die sich durchs Chanten (Singen) entfaltet. Es wird benutzt zur Meditation. Man-tra setzt sich aus zwei Sanskrit-Silben zusammen und bedeutet soviel wie den „Geist (Man) befreien durch (tra)“. Um das zu checken sollte man kurz das Ziel des Yoga Revue passieren lassen. „Das zur Ruhe bringen des Geistes, um im wahren Selbst (Wesen) zu ruhen“. Das beschreibt sehr schön yoga-on. Durch 108maliges Wiederholen werden die vielen (oft unnötigen) Gedanken verdrängt (die oft als Ursache des Leids gesehen werden und natürlich beim Meditieren hinderlich sind) Das gilt aber nur genau während des Singens und nicht für immer.

Sonst könnten wir ja
1. Yoga einfach konsumieren, wogegen ich mich vehement wehre und
2. wär das für den Alltag tragisch, dort ist Denken recht nützlich 😉

Die Gedanken kommen also für einmal zur Ruhe. Manchmal erfährt/erlebt man auch die Botschaft des Mantras durch dessen Wiederholung. Jedes Mantra wurde übrigens durch einen Rishi (Seher) empfangen und an die Leute weiter gegeben. Man sagt ein Mantra hat auch eine Art Verschluss, dieser öffnet sich durch das wiederholende Singen. In Indien werden die Gesänge neben Meditationen auch für Rituale und im Alltag wegen ihrer heil-enden Wirkung rezitiert.

Kürzlich hab ich mal über ein Kinderspiel geschrieben, dass mich an das Chanten erinnerte. Butter, Butter, befreit den Geist, oder so.

Gleichmut ist nicht Gleichgültigkeit

Manchmal werde ich auf diese beiden ähnlichen Worte angesprochen. „Wenn man Gleichmut entwickelt, wird man dann nicht gleichgültig gegenüber allem?“ Meine Erfahrung dazu ist ein klares „Nein, im Gegenteil“ und Menschen die mich kennen, bestätigen vielleicht, dass ich nicht gemütlich-gleichgültig bin.

Wenn ich aber gleichmütig bin, ruhe ich in mir, betrachte eine Situation ohne heftige Emotionen (die energetisch veränderte Gedanken sind!) und kann mich in Ruhe entscheiden, ich bin im Fluss. Das Gegenteil ist eine einseitige Position. Die entsteht meist aus persönlichen Erfahrungen (Vergangenheit) und Interpretationen, oder Denk-Gewohnheiten. Diese Meinung entspricht also mehr einer vergangenen Situation als der aktuell erlebten. Dann unterliege ich Maya (der Illusion) und es fehlt die Unterscheidungskraft. Dies passiert oft bei Vorurteilen. Wir haben das Urteil schon vor-her gefällt.

Gleichmut ist wie ein starker Fluss
Gleichmut ist wie ein starker Fluss

Eines der lohnenswerten Ziele des Yoga ist, Viveka (Unterscheidungskraft) zu erreichen.

Um diese ich nenn sie mal ’neutrale Sicht‘ zu erlernen, muss ich in der Meditation einen gedanklichen Beobachtungsposten einnehmen. Ich beobachte nicht nur meine eigenen Gedanken, sondern die urteilenden Gedanken in Form von Vergangenheit (Prägungen), Gegenwart (Verstrickung) und Zukunft (Erwartungen). Viveka entsteht, wenn ich diese erkenne und mit etwas Übung auflöse. Es entsteht mehr Raum für Liebe, Güte und Verständnis und eben Gleichmut. Ich werde sensibel für beide Seiten der Situation. Aus dieser ungetäuschten Haltung heraus, kann ich mich für das Richtige entscheiden.

Es braucht etwas Mut wie das Wort Gleich-mut schon sagt, denn manchmal ist man allein damit. In einer Gruppe urteilen Menschen besonders gern ohne erneut zu prüfen. Aber Dein Umfeld wird den von Dir ausgehenden Frieden schätzen und Du/Ihr kannst die positive Energie für eine (die richtige 😉 Sache einsetzen.

Der Intellekt erlernt diesen Ablauf und später kannst Du gleichmütig agieren, ohne Dich vorher zum Meditieren zu verkrümeln. Denn das wäre nicht gerade alltagstauglich.

PS. Zugegeben, es braucht ein bisschen Übung und gelingt leichter mit einem Lehrer. Wir können uns geistige Übungen nur schwer selbst unterrichten, denn es ist nicht so leicht, das Denken zum Nichtdenken zu benutzen. Ich empfehle gerne Meditationsstunden, weil wir diese Perle des Yoga nicht aus Büchern oder CD’s erlernen können.

Ohne Vision zum Ziel

Frage: Wo siehst Du Dich in 3 Jahren, was ist Deine Vision?
Antwort: Äähm, ja, also.., keine Ahnung, ist mir egal.

Diese flapsig anmutende Antwort ist von mir. Dabei ist sie nicht oberflächlich und gleichgültig, wie der Fragende interpretieren könnte. Genau genommen ist sie das Ergebnis jahrelanger Arbeit an meinen eigenen Denkstrukturen.

Im Yoga und auch in verschiedenen Religionen, in denen Meditation praktiziert wird, gibt es ein einziges
grosses Ziel. Selbstverwirklichung (Samadhi) heissts in der Yogaphilosophie. Damit ist keineswegs ein besonderer Job oder ein riesiges Haus gemeint, sondern das Ruhen des Geistes, damit der Mensch sein wahres Wesen erkennen kann und darin verweilt. Dafür braucht es ständiges Üben ohne Fokus auf das Ziel. Der Suchende erlernt, u.a. Konzentration und seine Gedanken zuerst zu beobachten und später, sie abzuschalten. Sind sie einmal ruhig geworden, ist man im Hier und Jetzt präsent. Es beginnt die eigentliche Meditationspraxis. Einssein mit dem Universum, mit dem Meditationsgegenstand, mit der Lebensenergie, oder der göttlichen Kraft (je nach Religion oder Verständnis).

Das eigentliche Ziel dahinter:
Im Moment des Todes, in diesem Überbewusstsein zu weilen, ohne gedanklich (an Weltliches z.B.) gebunden zu sein und somit Maha-Samadhi (Maha bedeutet in etwa: gross) zu erreichen. (Dazu später hier mal mehr)

Lieber im Hier und Jetzt zufrieden, als Visionen
Lieber im Hier und Jetzt zufrieden, als Visionen

Das ist nicht einfach von heut‘ auf morgen erlernbar, schon weil unsere Gedanken auf Ziele und Zukunft trainiert sind. Das ist unsere westliche Kultur. Manche Menschen üben lebenslang und andere erhaschen gleich zu Beginn einen meditativen Zustand. Leider fehlen mir die Worte zum beschreiben. Weil es ein gedankenloser Zustand ist, kann man sich während der Meditation keine Notizen für spätere Erklärungen zurecht legen.

Nun übe ich seit Jahren, Konzentration und den Fokus auf das Hier und Jetzt, und ganz nebenbei sind mir dabei unnütze Visionen abhanden gekommen. Gierige Wunschvorstellung, was alles noch schöner sein könnte zum Beispiel. Ich praktiziere das Zufriedensein und Flexibilität für die äusseren Umstände, denen ich mich am Liebsten einfach anpassen können möchte.

Das heisst nicht, das mir die Dinge gleichgültig sind und ich keine Ziele hab. Aber diese sind eher geistiger Natur: Ich wünsche mir, irgendwann immer aus dieser Mitte heraus agieren zu können.

Ich hab also doch eine Vision, aber diese Antwort passt nicht auf die obige Frage, glaub.

PS: Aus dieser Kraft heraus kann man sich auch für eine Verbesserung einsetzen. Denn zu tun gibt es noch genug weltweit. Über diesen vermeintlichen Wiederspruch schreib ich demnächst mal hier.

Tot den Ähms

Was ist das eigentlich ääähm?

Neulich sass ich in einem Vortrag und bemerkte schon nach kurzer Zeit dieses verzweifelte hörbare Zwischen-Schnappen des Redners. Und wie es so ist mit philosophierenden Menschen, suchte ich nach einer logischen Erklärung dafür, statt dem eigentlich spannenden Thema zu lauschen. Naja eigentlich ist ja eigentlich auch so eine unnötige Wortschöpfung, aber darum solls hier nicht gehen.

Dieses Ähm erinnert mich an ein schnelles Luftholen (nur vom Klang), oder ein ausgedehntes Ausatmen. Was wir tun, wenn wir in Stress kommen. Wir blockieren die Atmung und sie wird hörbar, wenn wir dann wieder beginnen zu atmen, bevors knapp wird. Das hab ich bei mir beobachtet und stelle es auch immer wieder fest bei grosser kurzzeitiger körperlicher Anstrengung,.die ja auch eine Art Stress bedeutet. Auch in der Yogastunde sehe ich dieses Phänomen oft. Leute die eine schwierige neue Körperübung probieren halten spontan den Atem an, dann geht die Kraft aus und die Übung gelingt nicht. Atmen sie bequem weiter ist es einfacher. Wir tun dies auch in Schockmomenten „mir stockt der Atem“. Mit einem bewustem Atemzug kann ein überraschter Mensch den Halt zurück gewinnen. Darum säufzen wir (blockierter Atem raus, neue Luft ein).
Seufzen ist mit dem ähm verwandt.

Wieso lehrt man die armen nach Luft und Worten ringenden Redner also nicht, die Schultern nach unten zu schieben (was dem Körper Entspannung signalisiert) und einmal tief zu atmen, wenn ein Wort fehlt oder man etwas Zeit gewinnen will.

Eine bewusste Sprech- bzw. Lautgeb-Pause kann sehr wirksam sein.

1. Der beruhigende Moment für den Sprecher selbst
2. Schaffen Pausen, die Möglichkeit, das Publikum zu fesseln. Message: „achtung jetzt kommt was“
3. Bekommt der Redner zusätzliche Aufmerksamkeit weil der Hörer nicht mehr mit Ähms zählen beschäftigt ist.

Wenn Du vor Leuten reden musst, hab einfach Mut zur kurzzeitigen Stille und atme tief (in den Bauch, nicht in die Schultern) und es entstehen weniger Ähms aufgrund von hastigem Luft- und Wortmangel. Gut kann man dies auch im Dialog zwischen zwei Menschen üben, dort entstehen durch kleine Pausen oft ungeahnte Antworten.

Ein ähm entsteht also wenn man hastig atmet und redet gleichzeitig. Man kann sich aber einfach für eins von beidem entscheiden.

Was meint Ihr, bzw. wie werdet Ihr die Dinger los?

Nachtrag: 30.08. Das Geheimnis des Stammelns, was die Forschung dazu sagt. Artikel in Süddeutsche.

Denkgewohnheiten

Meine (Yoga)Lehrerin Rajeshwari sagte oft:

Achte auf Deine Gedanken,
denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte,
denn sie werden Taten.
Achte auf Deine Taten,
denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten,
denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter,
denn er bestimmt Dein Karma.

Ob sie wohl weiss, wie sehr sie mir mit den Worten (aus dem Talmund) auf den Gehsteig des Lebens half? Schon als Kind beobachtete ich, Gewohnheiten, Worte und besonders deren Reaktion von Menschen. Versuchte hinter die (gelegentlichen) Gemeinheiten meiner Freundinnen zu sehen und suchte nach Hinweisen für das menschliches Verhalten. Bis heute begegnen mir (wie allen anderen Menschen auch) Ungerechtigkeiten, deren Sinn ich nicht verstehe. Oft die Frage: Warum tut er/sie mir oder ihm/ihr das an?

Bei näherem Hinsehen glaube ich, immer das gleiche Konstrukt zu erkennen. Es sind schlicht Gedankengewohnheiten, die sich beim handelnden und eben sprechendenen Menschen eingeschliffen haben. Man ist einfach gewöhnt, so und so zu urteilen. Schwarz oder weiss. Und so entsteht die immer gleiche Geschichte, die Menschen in gut oder böse unterteilt.

Monade aus dem Buch Pro Gesundheit contra Gluten

Inzwischen habe ich für mich heraus gefunden, dass es sich lohnt, vor dem Schubladisieren eines Menschen den Raum zwischen gut und böse (weiss oder schwarz) zu nutzen. Zuerst einmal handelt/spricht jeder aus seinen Erfahrungen und Gewohnheiten heraus und oft nicht aus wahrem Herzen. Und diese Gewohnheiten (Erlebnisse) werden gedanklich manifestiert in vorgefertigten Meinungen.

Dort können wir also selbst ansetzen, uns unseres Herzens, unserer Liebe besinnen, um aus dieser heraus zu handeln. Also einmal Delete, alles leeren und Neu bespielen: Dann hat die Denkgewohnheit (meist vom Ego gesteuert) kaum eine Chance, ihr Unwesen zu treiben. Denn das Wesen eines Menschen existiert jenseits der Gedanken, die uns vorgaukeln, der Handelnde selbst zu sein.

Dieses wahre (zumindest mein eigenes) Wesen finde ich, wenn ich in den Bergen bin, lange hinaufgestiegen oder auch nur lange genug draussen bewegt. Da wird der denkende Geist endlich mal ruhig. Auf der Yogamatte finde ich es immer seltener. Denn dort fängt (bei mir) der Geist gerne erst einmal an zu denken und der Prozess bis zum Sein (ohne Denken) geht viel länger.

Wenn ich Gedankengewohnheiten erkenne, die in Richtung gut oder böse tendieren, fange ich nochmal von vorne an. Stelle fest:

Er/sie tut dies oder jenes gar nicht mir/ihm/ihr an, sondern jeder handelt nur für sich (sein eigenes Karma). So kann ich gar nicht bei anderen finden, warum sie es tun, sondern nur meine eigenene Handlungen überprüfen und ggf. korrigieren und anderen vergeben.

Lesenswert dazu auch die Gedanken von: Tweettroy

Bio oder aus Mülltonnen Essen

Auf der Insel, die fürs Aussteigen und auch für Berge und einzigartige Fauna bekannt ist, hörte ich von einer für mich neue Art der Ernährung. Das Recyclen. Ungläubig fragte ich die Höhlenbewohnerin noch einmal, wie sie sich ernährt. Die Antwort, diesmal deutlich: Recyclen, das „ist in Deutschland eine politische Aktion“ (wie ich später erfuhr).

Auf La Palma lebten vor tausenden Jahren die Ureinwohner, die Guanchen. Sie hinterliesen uns neben ihren ungelösten Petroglyphen ihre Höhlen, die heute wieder von Weltenbummlern, Lebenskünstlern und Suchenden bewohnt werden. Das Prinzip des Teilens und Solidarität lässt diese bunte Gemeinschaft auch in sozialer Hinsicht überleben. Ein Strassenkünstler (ein begnadeter deutscher Saxophonist) liess uns etwas in sein Leben mit Freundin in der Höhle einblicken.

bewohnte Hoehle auf La Palma (Tijarafe)

Er berichtete, dass er auf Ernährung Wert lege und auch biologische Nahrung schätzt. Er isst meist aus der Natur Früchte und normales Brot und Käse. Kleinstlebewesen auf dem Ungewaschenen seien ohnehin gut fürs Imunsystem.

Orangenbaum auf La Palma
Orangenbaum auf La Palma

Seine Freundin C. arbeitet für Kost und Logie (in einer Höhle abseits von den anderen) für eine kleinen Bioplantage bei Frohmut (eine ältere Yogini, die ihrem Namen alle Ehre macht) Die 22jährige Studienplatz-Anwärterin erzählte mir, dass sie bisher recyclen ging, bevor sie hier ankam.

Diese Leute gehen hinter Geschäfte (am liebsten Bioläden, obwohl dort das Essen nicht so lange hält, weil ohne Konservierungsstoffe) und durchsuchen die Mülltonnen nach Essbarem. Unglaubliche essbare Dinge könne man hier finden und man kann gut davon leben. Sie erzählte, das Müll immer jemandem gehöre und man sich deshalb strafbar mache. Aber das Leben ohne Geld würde so ja auch der Gesellschaft dienen. Für sie sei es aber nicht so einfach, da sie nur rohe Nahrung (Rohköstler) zu sich nimmt, darum gab sie das Recyclen für eine zeitlang auf und freute sich über die biologischen Köstlichkeiten bei Frohmut, die auch die wenigen Wanderer schätzen, die hier vorbei kommen. Auf der kleinen Farm gibt es auch Duschen und Strom aus Wind- und Sonnenenergie.

bewohnte Höhle mit etwas mehr Komfort
bewohnte Höhle mit etwas mehr Komfort

Diese Geschichte von der Müll-Ernährung beeindruckte mich sehr und ich schäme mich dafür, Essen wegzuwerfen. Manchmal einfach, weil ein frisches Brot verführerischer ist als das ältere. Doch ich finde leider keine Lösung für mein künftiges Handeln, die Recycler zu unterstützen:

Weniger kaufen?
Auf langes Verfallsdatum achten, damit die Läden mehr wegwerfen müssen?
Oder sie einfach als Spinner abstempeln? Zugegeben, das wär das Einfachste
.

So entscheide ich mich erstmal, weiterhin dem möglichst biologischen und gekochtem Essen treu zu bleiben und wünsche mir, nieee recyclen zu müssen oder zu wollen. Ich bin sehr dankbar für diesen Bericht, der mich wohl noch eine Weile beschäftigen wird. Alles Gute Euch Beiden.