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Wenn Dankbarkeit zur Pflicht wird

Hä, Bob Dylan bekommt den Literatur-Nobelpreis? Ich war doch einigermassen verwundert, aber nur im ersten unreflektierten Moment. Ich hab es in Twitter gelesen und somit auch die vielen negativen Kommentare dazu. Viele belesene Menschen, für die Literatur „etwas anderes“ ist, sogar Marcel Reich-Ranicki wurde bemüht, „was er wohl sagen würde“.

Im Alltagstrudel hab ich dann nicht mehr an diesen Preis gedacht, bis abends Robi davon sprach „Wow, er ist ein Poet, absolut verdient“. Sowas in der Art sagte er. Dank meinem quasi wandelnden Musik-Lexikon hab ich dann eine echte Meinung dazu entwickelt, obwohl es mir noch am Vormittag irgendwie egal war.

Bob Dylon: Bildquelle nicht auffindbar, sorry

 

 

 

Nun hat sich das Thema gedreht. Von salopp zusammengefasst „Bob Dylan sei nicht würdig“ sind wir inzwischen bei „… ist unhöflich und arrogant“-Headlines angekommen. Jetzt wird es interessant für mich und ich denke (nicht nur) heute oft an das Wort ‚Moralisten‘ (Susann Klossek hat mich  mich vor Jahren inspiriert, ich glaube durch einen Facebook-Post, darüber vertiefter nachzudenken).

„Gib gefälligst zurück, was du bekommen hast, oder wenigstens etwas.“

Ich hab schonmal darüber geschrieben, dass ich es geizig finde, immer nur zu geben. Ich kenne sehr liebe Menschen, die nicht in der Lage sind, um Hilfe zu bitten oder gar welche anzunehmen, ohne direkt wieder „etwas zurückzugeben“.  Hier ist evtl. der Kern dieses Phenomens:

Dankbarkeit ist keine Pflicht zum Zurückzahlen

Versteht mich nicht falsch, bitte. Ich finde es sehr schön, wenn man jemandem etwas Gutes tut und dafür dann (überraschend) eine schöne Geste erhält. Ein Dankeschön, eine Umarmung, ein dankbarer Blick, eine Karte, eine Whatsapp Nachricht nach einem gemeinsamen Abend, eine Blume, ja auch ein Goldbarren ist nett. Aber, wenn es nur eine Höflichkeit ist, bedeutet es mir Null. Höflichkeiten helfen uns, friedlicher zusammenzuleben, aber sie verdecken oft auch nur wahre Meinungen und Gefühle. (vielleicht dazu ein andres mal mehr).

Ich fühle mich nicht verpflichtet, immer alles in gleichem Mass zurückzugeben. Das Sprichwort „Auge um Auge“ hab ich als Kind nie verstanden. Heut immer noch nicht. Ich habe es gerade gegoogled und hoffe, es handelt sich um einen Übersetzungs- oder Verständnisfehler wie in so vielen alten Schriften.

Aber das Augen-Dingens handelt eher von negativen „Geschenken“. Ich bleibe mal bei gutgemeinten Gaben. Wäre es unsere Pflicht, dankbar zu sein, müssten wir jemanden auch lieben, NUR weil diese Person uns liebt. Wir alle kennen Lebenssituationen, wo das eben genau nicht so ist. Es reicht nicht, einfach zurückzulieben, bzw. es ist gar nicht möglich. Die Freude oder Dankbarkeit darüber, ist etwas anderes. Es ist nicht Liebe.

Wäre es unsere Pflicht, müsste wohl auch jeder, dem wir einen Gefallen tun, uns genau den gleichen „Wert an Gefallen“ zurück geben. Sonst wüssten wir den Gebenden ja nicht zufrieden. Umzugshelfen bedeutet für mich nicht zwangsläufig, dass man das Gleiche zurückgeben kann und muss. Das Leben bietet uns gar nicht immer Gelegenheit dazu.

Selbstlos etwas Geben ist mehr Wert

Dankbarkeit einfordern für etwas, worum der andere hingegen nicht gebeten hat, empfinde ich schlicht als egoistisch. Man tut es für das gute Gefühl, was man zurück bekommt. Es ist ein wunderbares Gefühl etwas zu schenken. Aber am meisten Freude bereitet es, wenn es dem Beschenkten auch wirklich gefällt. Wir wissen es erst in dem Augenblick in dem die Person es bekommt. Und was passiert dann. Ist dieser Dankbarkeitsaugenblick oder gar die folgende Geste auch noch das Ziel des Schenkenden.

Hier scheint mir eine unsichtbare Grenze, die ich kaum erkennen oder beschreiben kann. Ich hatte letztens ein Gespräch mit einem guten Freund. Er sagte „Selbstlos ist doch nicht erstrebenswert, oder doch?“ Ich hatte nicht wirklich eine Antwort parat, habe aber ein paar Tage darüber nachgedacht.

Vielleicht: egolos statt selbstlos

Im Yoga sind wir auf der Suche nach dem Selbst (dem wahren Selbst, oder auch Wesen, es wird auch beschrieben mit göttlicher Natur ). Yogis wollen es erkennen, erleben und darin ruhen. Es ist das eigentlich grosse Ziel nahezu aller yogischen Übungen und vieler philosophischen Ansätze. Bei dem Wort selbstlos, fehlt also das Selbst. Nicht gut.

In der Alltagssprache ist mit selbstlos wohl das Ego gemeint. Also egolos. Das ist für mich absolut erstrebenswert. Das Ego verstehe ich als etwas „Aufgeladenes“ etwas, womit sich ein Mensch identifiziert. Das kann zu einseitigen Haltungen führen und somit auch zu wenig Toleranz. Das Ego „kann“ noch viel mehr, auch Gutes, aber lassen wir das mal beiseite. Egolos könnte also heissen, etwas ohne das Ego zu befriedingen (etwas zu erwarten) für andere zu tun. Und auch glücklich sein, wenn der andere es eben nicht goutiert

Ich lasse also den Literaturpreis das sein, was er sein kann. Eine Anerkennung für eine grossartige Leistung, die vermutlich Charaktereigentschaften und Egos der Beteiligten überdauert und hänge noch eine kleine Leseempfehlung zur Meinung von Wolf Biermann an.

Achso, einen Song noch, bitte.

Times They are a change

….Come writers and critics
Who prophesize with your pen
And keep your eyes wide
The chance won’t come again
And don’t speak too soon
For the wheel’s still in spin
And there’s no tellin‘ who
That it’s namin’…

wir sollten uns um uns selbst kümmern

Auch wenn eine Rolle „ich opfere mich für Aufgaben und andere“ auf den ersten Blick eine sehr edle ist. Wenn wir uns um uns selbst kümmern, entsteht sehr viel mehr für andere.

Es ist nicht einfach, wir haben heutzutage so viele Aufgaben und vorallem kommunizieren wir viel mit einander. Oft auch nur vermeintlich, denn ein Bild zu posten ist noch lange nicht kommuniziert mit jemandem, den wir mögen. Vor lauter Whatsapp-Gruppen oder Einzelchats bleiben manchmal kleine Gesten auf der Strecke oder tiefgründige Gespräche. Natürlich geht das auch mir so.

Zeit für dich selbst

Wofür wir uns aber wirklich Zeit einräumen sollten, ist für uns selbst. Ich erschrecke, wenn ich beispielsweise von einer guten Freundin höre. „Ich kann nicht mehrmals zu einem Arzt gehen, um dieses Problem dauerhaft zu heilen“, denn ich arbeite jeden Tag bis 18.00 Uhr. Dann merke ich traurig, wie verplant Menschen heute sind. Völlig ausgebucht, nicht mal Zeit zum Essen zubereiten oder für Sport oder Yoga.

Für mich ist Zeit mit mir selbst, in mich hören, still sein, Laufen sehr wichtig. Ich könnte nicht mehr anders sein. Ich hoffe, dass so auch Kraft entsteht, mich um andere zu kümmern, Freunden oder auch mal Fremden gegenüber aufmerksam zu sein.

So logisch es ist, ich seh immer wieder in meinem Umfeld, dass die Logik besser bei Maschinen funktioniert als bei Menschen. Wenn mein Tank leer ist, komm ich nicht auf die Idee, ein anderes Auto abschleppen zu wollen. Menschen glauben aber schon, dass sie abschleppen können, wenn sie selbst völlig leer sind.

Wer könnte das besser ausdrücken als KrishnaDas.

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Bin gerade in Twitter darüber gestolpert und hab mir kurz Zeit genommen, es zu verbloggen. Ja, irgendwie ist es für mich Zeit gewesen, denn ich hab kurz reingehört und Zufriedenheit gespürt. Das wünsch ich euch auch.

PS: Ich hab noch eine schöne Übung dazu gefunden, geht ganz einfach. Der Blog von Mahashakti (Twitter) ist eine wahre Fundgrube an Übungen übrigens.

Es ändert sich was – immer

Am frühen Morgen sitze ich vorm Laptop und heule. Na prima. Der Grund, ein Kommentar von Gianna im Blog, den ich schon so oft aufgeben wollte. Danke.

Kommentar von Gianna

Liebe Gianna

Dieser Beitrag ist für dich: Ich bin übrigens auch mit 27 in einer ähnlichen Situation gewesen. Zum Yoga hab ich dann erst vier Jahre später gefunden und er ist heute noch flexible Achse in meinem Leben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wieder „weg geht“ 😉 Es hat sich so viel verändert. Vorallem meine Sicht auf manches.

Seit inzwischen 10 Jahren (oh wir haben Jubiliäum) haben wir die Yoga Schule in der Nähe von Zürich,. In den ersten Jahren gab es noch nicht so viele Orte, die sich mit Yoga etikettierten und damals hatte ich noch allein alle Hände voll zu tun, neben meinem Job noch 4 ! Kurse in der Woche zu geben. Vor ein paar Jahren verschenkte ich die Yogaschule sozusagen. Website gelöscht, Kursleiterin gesucht, aber den Blog hab ich behalten (und oft vernachlässigt)

Su und Robi, beide Yogalehrer bei 'Einfach Yoga'
Su und Robi, beide Yogalehrer bei ‚Einfach Yoga‘
Heute sind wir zu zweit und haben eine tolle intensive Klasse. Die Girls (nein, Männer sind nur selten da) kommen seit langer Zeit in die Stunden von Robi. Ich unterrichte nur noch selten. Aber ich versuche immer dabei zu sein und lehne konsequent alle Businesseinladungen am Donnerstag ab.

Die Yoga Tradition, die wir teilen, ist in der Schweiz leider sehr selten. Der integrale Yoga von Swami Sivananda mit all seinen Aspekten für die vielfältigsten Zugänge, die Menschen zu sich selbst haben können. Oft werden Hatha Yoga angeboten, der dann recht körperorientiert vermittelt wird. Meditation, Philosophie haben wenig Raum. Rituale und Mantras singen sind manchen zu viel, werden kurzerhand ausgeklammert. Es gibt so viele Yoga-Schulen, -stunden und Abos, dass es für Suchende schwer ist, Yoga zu finden, der zu einem passt und der nicht abgespeckt wurde, der Moderne wegen. Aber darum geht es nicht.

Es geht ums Praktizieren

Darum, wie ich an mir selbst arbeiten kann. An meinem Charakter, an meinen Worten und Gedanken, sogar an Beurteilungen einer Situation. Das geht natürlich mit jedem Yoga. Aber mit Philosophie war ist es für mich einfacher. Für mich als Inana-Yogi geht es auch ums Teilen von Gelerntem. Deshalb hab ich den Blog immer behalten, eigentlich mehr um mich selbst zu erinnern. Du glaubst nicht, wie oft ich das Projekt Yoga-Blog schon einstampfen wollte. Unsere Teilnehmer kamen nicht zum Blog und andersrum.
Kürzlich bemerkte ich, dass mein erster kompletter Blog (mit vielen Beiträgen) aus 2007 inzwischen vom Internet verschluckt wurde. Ja nu, auch das ist ok.
Ich danke dir herzlich für deine Worte. Meine werd ich einfach weiterhin hier teilen und versuchen, den Yoga zugänglich zu machen, mit all dem was er neben dem Kopfstand noch ist und sein kann. Danke dir fürs Motivieren.

Von ganzem Herzen wünsche ich dir, dass du in deinem 10-wöchigen Kurs (alle Achtung) zu deiner Ruhe und vielleicht dir selbst sogar näher kommst. Bitte lass dich nicht abschrecken vom Ashramkoller. Ich nenne das so, weil man sich manchmal in den ersen Tagen beobachtet und sich fragt „Was mach ich hier eigentlich?“ Auch das ändert sich wieder 😉

Tiefenentspannung Mangelware

Leider begegnen mir heutzutage immer öfters sogar junge Menschen, denen der Alltag zu viel wird, emotionale Belastung, körperliche Verspannungen, Schlafstörungen, Herzrasen, oder Stolpern, keine Zeit für irgendwas Privates. Geschweige denn Sport. Dabei wäre Bewegung schon mal das erste Mittel, um überschüssiges Adrenalin loszuwerden. Einfach mal rennen und/oder schreien. Alle sind noch schneller unterwegs, kommunizieren noch mehr, posten, Erreichbarsein, kommentieren, Community managen und private Whatsapp Gruppen auch noch jonglieren.

Erst wenn man nicht mehr kann…

Die Menschen suchen Hilfe bei einem Arzt und wenn alle körperlichen Dinge gecheckt sind gibts entweder Psychotherapie, Antidepressiva (!) oder den weisen Rat. „Sie müssen sich entspannen“. „Ja, ok mach ich, weiss ich ja“ denkt sich der/die Betroffene.

Daheim angekommen wird schnell klar. „Wiiiee?“

Was ich bis jetzt in solchen Erzählungen wirklich jedesmal vermisse, sind (ich nenne das) Erste-Hilfe-Massnahmen, um die Notsituation, die im Körper ausgebrochen ist, zu entschärfen und Fragen nach:

Erste Hilfe bei Burnout Gefahr

  • Redbull schon am Morgen im Zug, kalter Kaffe in Plastikbechern mit Unmengen Zucker und Geschmacksverstärkern, würd ich mal weglassen.
  • Kaffee, Cola, Schwarztee, Redbull und Alkohol (alle Stimulanzien, Drogen) weglassen
  • Fleischverzehr zurück fahren (u.a. weil bei konventioneller Produktion die Tiere vor der Schlachtung Adrenalin ausschütten)
  • Sanfte Mittel zum Schlafen, bspw. Zeller
  • Handy: Push Notifications ausschalten, nachts Flugmodus und wlan aus, wenn möglich
  • Mineraliencheck im Blutbild (Eisen, B-Vitamine etc.)
  • Wechselatmung (heisst Anuloma Viloma) erlernen. Diese harmonisisert u.a. Sympathikus und Parasympathikus (das ist der Part im vegetativen Nervensystem, der seinen Job verweigert in solch einer Situation), harmonisiert die Aktivitäten und Energien der Hirnhälften untereinander, bringt den Geist (Denken) zur Ruhe
  • Tiefenentspannung erlernen (das geht am besten in einer Yogaschule, leider lassen manche Fitness-Center das weg (spiritueller Kram)

Sukadev erklärt in seinem Video wunderbar, was zu tun ist.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=1TOjRG086FU&w=640&h=360]

Das Harmonium (Musik) am Anfang ist für Starter vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, lass das gedanklich einfach mal beiseite oder besser noch dich drauf ein.

Das heisst nicht, dass diese Massnahmen eine langfristige Umstellung von Lebens- und Arbeitsgewohnheiten ersetzen. Denkgewohnheiten ersetzen und auch Yoga praktizieren braucht mehr als diese kurzen Hilfen. Aber eine erste Hilfe mit Wirkung gibt schonmal Hoffnung und ein wenig erholsamen Schlaf. Gute Erholung allen, die es betrifft.

 

bye bye Facebook, hello Yoga

Zugegeben das Loslassen ist nicht immer einfach, besonders wenn es um eine Möglichkeit geht, den Yoga zu teilen. Das haben wir jetzt mit einer Facebookseite seit 15 Monaten gemacht. Und unser Fazit. Die Leute, die sich fürs Thema interessieren interagieren im realen Leben sehr mit uns. Sie kommen in die Stunden, andere, für die wir zu weit weg sind, kommen gelegentlich zum Sonntagsyoga und es ist wirklich schön auch auf Empfehlungen zählen zu können. Der Blog funktioniert seit 4.5 Jahren sehr gut.

Aber ganz ehrlich, der Aufwand für die Facebookseite ist zu gross für uns, obwohl ich ja ein ausgesprochener Online Mensch bin. Ich denke, Yoga und seine Philosophie ist ein Lebensthema, dass sich am besten durch Praxis erfahren lässt. Auch eigene Praxis.

Es finden sich im Internet so viele Texte, Erfahrungsberichte, Blogs, Filme, die noch unentdeckt sind. Es war schön, diese aufzustöbern und auf der Facebookseite zu teilen. Aber die Ressonanz war dünn. So nehme ich das und lerne. Nicht jedes Thema eignet sich für Facebook und nicht jeder hat Lust, dem sogenannten Edge Rank zu dienen.

Für Einfach-Yoga ist der Blog und die Live Stunden der bessere Weg. Vielleicht auch weil der Yoga die Idee verfolgt, die dauernde Kommunikation einmal zu stoppen. Den Geist zu leeren, nichts du denken, damit sich das Sein ausbreiten kann.

Ich stelle hier noch einige Highlights zusammen von der vergangenen FB Seite nur der Nostalgie wegen und lasse das Experiment jetzt los und nutze die gewonnene Zeit für meine eigene Praxis auf der Matte und im Denken.

Jahresende, ein Kaffee und die Illusion vom Fertigwerden

Hier der Kaffee von Jabba

Abgesehen davon, dass ich nicht weiss, warum kaum noch jemand spontan für ein Kaffeedate Zeit hat und sogar Mittagspausen-Verabredungen langfristig geplant werden müssen, ist im Dezember eine unglaubliche Extra-Hektik zu verspüren.

Ich bin nicht überzeugt, dass das Weihnachtsfeier- oder Geschenkedrama schuld sind. Bei näherem Hinsehen hab ich selbst oft im Dezember so ein Fertigwerdenwollen-Gefühl. Letztes Jahr um diese Zeit war das ok, denn ich habe einen Job aufgegeben und musste tatsächlich viel fertig machen und kam in diese Hektik rein. Dabei ist mir aufgefallen, dass wir ganz viele Dinge gar nicht fertig machen müssen, weil sie

a) eigentlich unwichtig sind oder
b) von Natur aus rollend,
also nie fertig werden und der Nachfolger das ohnehin anders machen wird (was übrigens eine gute Schule fürs Ego ist 😉

Rechnungen bezahlen zum Beispiel, das kommt immer wieder und trotzdem hat man so ein Gefühl, „haa jetzt ist erstmal für eine Weile Ruhe“. Ihr wisst, was dann meist am nächsten Tag im Briefkasten liegt. Aha, ist es womöglich die Sehnsucht danach, mal Ruhe vor etwas zu haben, eine Sache, die im Nacken sitzt, weil sie erledigt werden will, einfach mal abzuschütteln? Wenn da nicht schon die nächste lauern würde.

Die meisten Dinge im Leben haben gar kein Ende und geschweige denn einen Anfang, wie die viel besungene Wurst. Vielmehr kommen ähnliche Aufgaben einfach in abgewandelter Form wieder und das Fertigwerden bleibt eine Illusion. Leben heisst Veränderung. Nehmen wir mal einen guten Vorsatz, die werden ja am Jahresende immer wieder gern bemüht.

Ich nehme mir vor, nächstes Jahr dies oder jenes weniger oder mehr zu tun. Auch dafür gibt es keinen klaren Anfang. Ist der Start, der erste Gedanke oder dann wenn ich es ausspreche an Sylvester um 24.00? Als ich vor 9 Jahren entschied, Vegetarier zu werden, war das kein big Bang und dann war ich für immer einer. Man ist nicht einfach dies oder das. Dazwischen gab es Monate, wo ich wieder Fleisch gegessen hatte oder auch der Fisch, den meine Oma extra für mich gemacht hatte, weil sie dachte, das sei ok. Die erstaunten Blicke aller anderen sind nicht Grund genug, konsequent das eine oder andere sein zu wollen. Für mich nicht, denn ich suche oft den Weg dazwischen, etwas tun und gleichzeitig Toleranz trainieren. Diese fängt ja immer bei einem selbst an.

Ist man wirklich irgendwann in abgeschlossener Form dieses oder jenes?

Exraucher – Bildquelle: hausamrossmarkt.de

Ich habe gehört, dass ein ehemaliger Raucher immer ein Raucher bleibt, der nicht mehr raucht. Er hat also die Abhängigkeit noch, nur in veränderter Form. Ebenso sind wir auch niemals fertig, wenn wir uns auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisieren. Der Mensch lernt immer weiter, selbst die die das nicht wollen. Besonders Yogalehrer sollten ein Leben lang Schüler bleiben und dies ehrlich in den Spiegel schauend zelebrieren. Erst dann sind sie eine Inspiration, wenn sie sich dem Fluss der Veränderung stellen.

Für mich ist das vielmehr eine beruhigende als beängstigende Erkenntnis und ich werde dieses Jahr nichts explizit beenden und auch die Vorsätze für nächstes Jahr lass ich so kommen und gehen, wie sie eben Sinn machen. Ich mag das nicht planen, nur weil es draussen schneit und alle keine Zeit zum Kaffee haben. Und sich dann an Sylvester vornehmen, nie wieder so ein Stress zu Weihnachten. In diesem Sinne, ich wünsch Euch ein paar Aufgaben, die nicht fertig werden und Euch in Bewegung halten, vorallem im Oberstübchen.

Achso, das Oberstübchen, dort fängt alles an, als Samen eines Gedanken, der später ein Wunsch oder gar eine sogenannte Vision (hier Ziel) wird. Dort im Kopf entscheiden wir auch selbst, wie wir Dinge beurteilen, was sie für uns bedeuten und auch, ob wir sie einfach mal lassen und so dem Leben einen Existenzplatz ermöglichen, dann ist auch Zeit für den Kaffee.

Was ist Yoga für mich

Hab grad mal kurz was ausprobiert und als Thema einfach mal erzählt, was Yoga für mich ist, wie ich dazu kam und warum und wie wir ihn bei Einfach Yoga teilen. Irgendwie Einfach 😉

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=lWp8EnVhr_0&w=420&h=315]

Nein, ich weiss nicht, warum die Vorschau so einen Psychoblick von mir abgibt (muss über mich selbst lachen) und

Ja, über der, die oder das Yoga kann man vielleicht geteilter Meinungs sein, aber das es ein riesen Schatz für mich war und immer noch ist, nicht. Die Online Branche ist keine besonders langsame und entsprechend schnell kommt man in Versuchung wie wild in einem Mausrad zu rennen und dabei das Sein zu übersehn… Darauf muss ich auch immer wieder aufpassen und mich selbst erinnern. Zum Glück ist Robi konsequenter und holt mich immer wieder mal raus und zurück auf die Matte.

Für mich spielt im Alltag die Philosophie eine wichtigere Rolle als die Körperübungen und Entspannungstechniken. Oft beleuchte ich meine eigenen Gedanken, noch während ich sie denke und es gelingt mir so, anders zu agieren, als ich es vielleicht noch vor einigen Jahren getan hätte. Eine friedliche Gelassenheit und das Glück öfters wahrnehmen trifft es wohl ganz gut. Endloser Stress ist eine Frage der Einstellung, wie ich heute glaube, und an der kann man arbeiten. Immer wieder neu.

Viel Spass allen, die das auch tun und ich wünsche Euch, dass Ihr im Fitness Studio auf Leute trefft, die den Yoga tatsächlich vermitteln und nicht nur lustige Gymnastik.

Orangen und Power Yoga

Hab vor 3 Jahren mal was geschrieben, was ich gerne nochmals vorzerre und hier teilen möchte.
——- schnipp ——–

Meine Suche nach einer neuen regelmässigen Stunde mit gutem Lehrer habe ich noch nicht aufgegeben. Obwohl das Erbe nach Rajeshwari bei IAVEL wirklich schwer ist. Sie hat mich während meiner Yogalehrer-Ausbildung nämlich wahrhaft den Yoga gelehrt.

Nun gehe ich also mit einer lieben Kollegin in die Power Yoga Stunde bei Aktivfitness am Stauffacher in Zürich. Ich erinnere mich selbst an die yogische Toleranz und probiers einfach aus. Die Stunde beginnt mit sanften Technorhytmen und die Lehrerin ruft ins Mikro. Willkommen. Ich finde mich im downward facing dog wieder (klingt cool, ich nenne das Hund oder Adho Mukha Svanasana) Natürlich kann ichs nicht lassen, nachzusehen, wie die anderen die Haltung machen. Denn die Lehrerin kommt gänzlich ohne Korrekturen aus. Viele biegen, durch den Mund keuchend, die Ellbogen nach innen, um die Muskeln ein wenig zu entlasten.

Ich bin längst aus dem Asana raus gegangen als alle anderen im Kurs dies nach Anweisung auch tun. Ob das 5 Minuten waren. Uff. Ego-Schulung scheint es hier also keine zu geben. Im Gegenteil, das Ego wird ordentlich angefeuert. Durchhalten, ist die Devise. Ich hetze von einem Asana ins nächste, kann keine zusammenhängenden Asana-Paare erkennen. (ausgleichende Übungen, die im Yoga sinnvoll aufeinander abgestimmt sind) und bekomme leider auch keinerlei Informationen zu den Wirkungen der Körperübungen.

Als ich aufgefordert werde im Krieger stolz zu kucken, nehme ich die Haltung stolz ein und bemühe mich nicht mitleidig zu lächeln. Vielleicht ist mir aber auch nur entfallen, das Stolz-Kucken eine yogische Tugend ist. Die 3 Minuten Endentspannung reichen mir nicht aus um das Nachdenken über die Stunde abzuschalten.
Anschliessend erklärt mir eine Besucherin des Kurses, wie toll das ist, ohne das spirituelle Zeug vom Yoga.

Mir kommt das vor, als kaufe ich eine Orange, schäle sie, pule die Kerne raus und schmeiss dann das Fruchtfleisch weg. Warum schäle ich sie dann?

Meine lieben Yoga-Interessierten und Fitness-Trainierende. Power Yoga Gründer Bryan Kest ist ein wahrer Yogi, der auch die Spiritualität, Meditation und Philosophie vermittelt und lebt. Kann man solche Kurse, wie ich ihn besuht habe, nicht einfach Yoga-Gym nennen und den wahren Yoga (auch Power Yoga) respektieren als das was er ist? Das zur Ruhe bringen der Gedanken um im wahren Selbst zu ruhen und im Leben das Ego zu erkennen (ggf. klein zu halten) und Tugenden zu entwickeln, die das Gegenteil von stolz sind.

——- schnapp ——–
zum Originalpost mit Kommentaren

vierblättriges Glück

Immer wenn ich auf einer Wiese laufe oder stehe,sehe ich zum Boden und finde meistens ein vierblättriges Kleeblatt. Für dieses Finder-Glück könnte es 3 Ursachen geben.

1. ich habe dieses Talent von meinem Urgrossvater über meine Mutter geerbt
2. ich habe meine Augen darauf trainiert, denn als Kind suchte ich stundenlang dieses Glück
3. Mein Blick ist in dem Moment weit, losgelassen. Lasse keine Gelegenheit aus, einfach zu sein, den Blick nicht fixiert. Ich sehe die Wiese als Ganzes, konzentriere mich nur auf die 4 Blätter – und finde.

Mir persönlich gefällt, abgesehen von aller Romantik der ersten beiden Möglichkeiten, die 3. Idee. So ist es doch auch im täglichen Leben. Verkrampfe ich mich, weil ich etwas unbedingt will, gelingt es nicht. Ignoriere ich mein Ziel, gehts auch nicht. Wenn ich aber den Blick schweifen lasse, die vollkommene Schönheit des tatsächlichen Augenblicks erkenne, darin ruhe, mich konzentriere aber nicht verbeisse, tritt das Glück herein. Weil ich dem Moment Raum gebe, die Gedanken zur Ruhe kommen. Ich suche nicht, aber es geschieht. Das kann ich in jeden Moment tun, lasse keine Glegenheit aus.

Wenn ich manchmal zu viel arbeite, wenig meditiere, der Sport und Yoga zu kurz kommen, mich in weltlichen Dingen verstricke, finde ich auch keine 4-Blättrigen. Dann muss ich mal wieder rebooten, das Grün im Dorf einatmen und da sind sie wieder. Gestern hatte ich mal wieder Glück und das hat mich inspiriert, diese Zeilen von meinem früheren Yoga-Blog rauszukramen.

Ich wünsch Dir Glück.

Ein grosses Herz oder die Schuldfrage

Jeder kennt das, man macht einen Fehler und bittet um Ent-schuld-igung. Der andere nimmt es zwar an, hat aber innerlich trotzdem den Fehlbaren als Schuldigen gebrandmarkt.

Wohl dem, der vergesslich ist. Ich flunkere nicht, ich bin vergesslich. Kürzlich musste mich meine Oma an eine recht unschöne Situation erinnern, die ich glücklicherweise vergessen hatte. Schade, ich hätte sie gern so gelassen, denn nun musste ich mir das Gefühl des Vergebens neu erarbeiten, was mir inzwischen wieder gelungen ist (auch ohne zu vergessen 😉

Besonders in der Geschäftswelt fällt mir oft, dass Menschen manchmal schnell sind damit, den Schuldigen zu benennen. Nur, um einen kleinen Fehler zu verbergen. Das finde ich schade, denn wir können an den kleinen Fehlerchen üben, wie wir mit grossen umgehen werden. Es ist so leicht zu sagen „mir ist ein blöder Fehler passiert“. Wichtig finde ich beim sich ent-schuld-igen, dass man es ernst meint, aufrichtig den anderen bittet, einem zu verzeihen. Gleich dann folgt das Sich-Selbst-verzeihen. Auch darin sind die Leute oft nicht geübt. Manche Menschen laden Schuld um Schuld auf ihre Schultern und vergeben sich nicht. Ich meine zu beobachten, dass genau diese dann auch anderen nicht vergeben können. Wie denn, sie haben Grosszügigkeit und Vergeben ja nicht geübt und das Herz (im sprichwörtlichen Sinn) konnte nicht gross genug werden. Dieses brauchen wir aber zum Vergeben.

In einem grossen Herz wohnt ein grosser Geist
In einem grossen Herz wohnt ein grosser Geist

Wir sollten uns nicht fragen, woher wir ein grosses Herz bekommen, sondern einen Schritt weiter vorn beginnen. Bei unseren Gedanken. Gedanken sind urteilend. Ihr müsst mal zuhören, was man selbst den ganzen Tag so denkt „oje, was macht er denn da?“ „Oh nein, jetzt hat sie … und ich komme zu spät“. Wir denken oft und viel in den Kategorien schuldig und unschuldig. Daraus wird ein Muster, welches innerlich kaum hinterfragt wird. Diese Gedanken werden Gewohnheit.

Im yogischen Sinn werden aus Gedanken Gefühle geformt. Ein Gefühl ist ein veränderter Gedanke, z.B. „ich mag es“. Irgendwann verändert dieser Satz im Kopf seine Energie oder Erscheinungsform und wird im Körper fühlbar. Zum Beispiel im Bauch, oder der Brustregion. Er ist nun ein Gefühl (und übrigens schwieriger handlebar als ein Gedanke).

Denken (oder fühlen) wir ohne zu reflektieren, werden uns Gefühle vorkommen wie Realitäten. Wir haben ja nicht gelernt, sie zu formen. Im Yoga kann man schrittweise seine Gedankenmuster aufspüren und verändern. So wird langsam auch das Schuld-denken weniger. Ich schaffe es noch nicht in jeder Situation, zum Beispiel bei Kriegen oder Umweltkatastrophen aber fangen wir erstmal im Alltag an, das Herz wachsen zu lassen und das Wort „schuldig“ seltener zu gebrauchen. Vielleicht gibt es dann irgendwann ja weniger Kriege, die genauso in uns Menschen gedanklich beginnen bevor sie äusserlich ausbrechen.